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HAPPY  MUHDAY
LEO

Freigekauft: 15.04.2010

Eintritt Tierspital ZH:

geb. 12.09.2009

Art: Red Holstein

Gestorben: 12.01.2021

Zuhause: in unseren Herzen

26.04.2010 - 30.04.2010

14.12.2010 - 31.12.2010

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Nachruf
Der Funke, der alles veränderte: Ein Nachruf auf Ochse Leo (2009 – 2021) 12. September 2009 – 12. Januar 2021 Ein Abschied voller Dankbarkeit und Schmerz Schweren Herzens musste ich am 12. Januar 2021 meinen über alles geliebten Leo für immer gehen lassen. In seinen letzten Monaten forderten das hohe Gewicht von nahezu 1100 Kilogramm und das stolze Alter ihren Tribut. Arthrose und schmerzhafte Gelenkentzündungen machten dem imposanten Ochsen Leo den Alltag zunehmend schwerer; zeitweise fehlte ihm die Kraft, aufzustehen. Leo ging, wie er gelebt hatte: sanft, stolz und von Herzen geliebt. Mit ihm verliere ich nicht nur einen wunderbaren, treuen Freund, sondern jene Seele, die mich tief bewegt und mein Leben von Grund auf verändert hat. Dank Leo wurde der Grundstein für die Stiftung für Nutztiere gelegt. Er war der Funke, der alles veränderte. Dass heute so viele gerettete Tiere ein artgerechtes, behütetes Dasein in Sicherheit geniessen dürfen, verdanken sie ihm – dem Kalb, das sich weigerte, eine Nummer im System zu sein. Ein System der Missachtung: Das kurze Leid der Mastkälber Um zu verstehen, wer Leo war, muss man sich vor Augen führen, welchem Schicksal er entkommen ist. Jedes Jahr werden Hunderttausende von Kälbern in der kommerziellen Milch- und Fleischwirtschaft als blosse Nebenprodukte und Wirtschaftsfaktoren behandelt. Kaum auf der Welt, werden sie von ihren Müttern getrennt, gemästet und nach nur wenigen Monaten im Kindesalter auf grausame, stressvolle Weise zum Schlachthof transportiert. Ihre kurzen Leben sind geprägt von Enge, dem Entzug mütterlicher Fürsorge und der totalen Verweigerung ihrer Würde. Sie sind dazu verdammt, in einer unbarmherzigen Maschinerie zu sterben, noch bevor sie überhaupt erwachsen werden dürfen. Leos Leben steht als zeitloses Mahnmal dafür, wie tief das Unrecht ist, das wir diesen fühlenden, wehrlosen Lebewesen Tag für Tag als Gesellschaft zufügen. Der Sprung in die Freiheit: Die historische Flucht im April 2010 Doch Leo fügte sich nicht. Es war im April 2010, als das damals erst sieben Monate alte Stierkalb beim Verladen in den Schlachthof seinen unbändigen Freiheitsdrang bewies. Leo büxte aus. Er rannte um sein Leben, um dem scheinbar unausweichlichen, blutigen Schicksal zu entkommen. Seine Flucht berührte die Herzen der Menschen; die Printmedien in der gesamten Deutschschweiz berichteten damals fasziniert über das mutige Kalb, das sich sein Recht auf Leben erstreikte. Ein bekannter Privatsender in Zürich jedoch machte aus der Tragödie ein reisserisches Nachrichtenspektakel. Für sie war Leo lediglich eine belustigende Schlagzeile: In der Berichterstattung wurde eiskalt darüber spekuliert, wie lange der Abbau der Übersäuerung in Leos Muskelfleisch nach der Flucht wohl dauern würde, bis die Fleischqualität wieder schlachtreif sei. Dazu zeigten sie den völlig erschöpften, nassgeschwitzten Leo in einer dunklen Kälberbox. Diese pietätlose Darstellung machte mich zutiefst empört und wütend – sie war der endgültige Auslöser, nicht mehr wegzusehen. Diese Flucht war ein Wendepunkt. Leos Schicksal liess mich in dieser Nacht nicht mehr einschlafen. Unmittelbar am nächsten Tag kontaktierte ich den Landwirt, kaufte Leo frei und begann eine Suche, die sich als weitaus schwieriger erweisen sollte als gedacht. Lebenshöfe und Plätze für ein dauerhaftes Rinderleben waren damals rar; Absagen und Schweigen prägten die ersten Tage. Ich wusste damals noch wenig über die Bedürfnisse von Stierkälbern, doch die schiere Notwendigkeit lehrte mich, mutig zu sein. Dank einem entscheidenden Hinweis von Frau Povolo (Tierschutzbund Zürich) fand ich schliesslich den rettenden Lebensplatz im «Stall-Happy» im Kanton Thurgau. Ein Leben in Würde und der «Hahn im Korb» Nach einer medizinischen Betreuung und Kastration im Tierspital Zürich durfte Leo am 1. Mai 2010 als junger Ochse sein neues, freies Leben in Rudenwil beginnen. Von diesem Tag an war er kein Nutzobjekt mehr, sondern ein Individuum mit Rechten, einer Persönlichkeit und einer Stimme. Integriert in eine friedliche Herde älterer Pensionskühe, blühte er auf. Als einziger Ochse war er jahrelang der sprichwörtliche «Hahn im Korb». Seine Lebensfreude steckte an. Die Journalistin Dagmar Appelt begleitete Leos neues Leben im Landboten mit einer eindrücklichen Dokumentation, für die sie später mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet wurde. Sogar ein Kinderbuch entstand über ihn. Leo öffnete die Augen von Tausenden: Er zeigte den Menschen, dass hinter jedem Stück Fleisch ein Herz schlägt, das fühlen und leben will. Mehr als zehn Jahre lang durfte er dieses ungezwungene, würdevolle Leben in vollen Zügen auskosten. In tiefer Verbundenheit und ewigem Dank Dass Leo ein so langes, erfülltes Leben führen konnte, verdanken wir einer Gemeinschaft voller Mitgefühl und Zivilcourage. Mein tiefster Dank gilt allen Menschen, die Leo und mich auf diesem langen Weg getragen, unterstützt und an uns geglaubt haben. Ich danke von Herzen den Betreuern auf den zwei Pensionshöfen, die ihm über ein Jahrzehnt hinweg ein unbeschwertes und sicheres Zuhause schenkten. Ein ganz besonderer, schmerzlicher und zugleich dankbarer Gruss gilt dem Tierarzt Majed Drai'i. Mit unendlicher Geduld, tiefem Mitgefühl und einer wohltuenden Ruhe hat er Leo auf seinem letzten Weg begleitet und ihm den Übergang in ein anderes Sein schmerzfrei, angstfrei und in maximaler Würde ermöglicht. Leo musste nicht den blutigen, stressvollen Weg über den Schlachthof gehen – er durfte in meinem Beisein, seinen Kopf aufgelegt auf meine Beine, friedlich und für immer einschlafen. «Es ist nicht nur ein Tier, es ist ein Herz, das schlägt, eine Seele, die fühlt, und ein Leben, das leben will!» Silvia Rassloff Markus Bosshard – StifNu
Stiftung für Nutztiere

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